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/Blog/Archiv 2007/Vortrag Kunsthistorikertag
Vortrag beim XXIX. Deutscher Kunsthistorikertag in Regensburg

Beim XXIX. Deutschen Kunsthistorikertag in Regensburg vom 14.-18. März 2007 bin ich in der Sektion "Digitale Kunstgeschichte" mit einem eigenen Vortrag mit dem Titel "Ein Blick über den Tellerrand. Eckpunkte und Potentiale eines adäquaten kunsthistorischen Informationsmanagement" vertreten.

Der diesjährige Kunsthistorikertag verzichtet auf ein Motto und steht laut Programm "im Zeichen einer sachlich-nüchternen Hinwendung zu einer Vielzahl von Fragen und Themen, die sich aus der aktuellen Lage des Faches und durch den Veranstaltungsort ergeben." Die Einrichtung einer eigenen Sektion "Digitale Kunstgeschichte" zeigt die Aktualität und Relevanz dieser Debatte für das Fach Kunstgeschichte und die Geisteswissenschaften allgemein. Der Titel verweist einerseits auf den Aufbaustudiengang gleichen Names am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München, für den sich der Sektionsleiter Prof. Dr. Hubertus Kohle verantwortlich zeichnet, und andererseits auf das Buch "Kunstgeschichte digital" ebenfalls von Prof. Kohle, einem der ersten deutschsprachigen Bücher zur Thematik. Ich freue mich sehr, dass mir die Gelegenheit gegeben wird, in diesem bedeutenden Forum einen Beitrag zu leisten.

Abstract zum Vortrag

Das datenbankgestützte Informations- und Wissensmanagement im Fach Kunstgeschichte hat sich immer noch nicht signifikant durchgesetzt. Dafür scheint maßgeblich verantwortlich zu sein, dass eine fachadäquate Dokumentation ständig an Grenzen der eingesetzten Systeme und Datenmodelle stößt. Diese sind besonders von bibliothekarischen Paradigmen geprägt, die damit auch auf die Art der Informationsorganisation einwirken. Das relationale Datenbankmodell ist dabei so dominant, dass es längst nicht mehr „nur“ ein Modell zu internen, maschineneffizienten Datenhaltung ist, sondern sich auch in der Kunstgeschichte als Diskursmodell durchgesetzt hat. Das Dilemma ist, dass unter diesen Prämissen wieder Systeme entstehen, deren Grenzen schnell erreicht sind. Es wird nur selten hinterfragt, ob dieses Denkmodell überhaupt für geisteswissenschaftliche Information geeignet ist.

In den beiden letzten Jahrzehnten hat sich mit dem World Wide Web parallel eine Struktur zur Wissensorganisation entwickelt, die nun ihrerseits Einfluss auch auf die klassischen Datenorganisationsmodelle ausübt. Aus dem von Tim Berners-Lee 2001 visionär prognostizierten Semantic Web ist inzwischen ein Rahmenwerk entstanden, das eventuell den Ausweg aus dem skizzierten Dilemma bieten kann. Besonders interessant im Hinblick auf ein kunsthistorisches Wissensmanagement ist seine Struktur, bestehend aus Ontologien, Entitäten und Aussagelogik.

Mit diesem aus der Künstlichen Intelligenz abgeleiteten Datenmodell ist es möglich, nicht nur reine Fakten, sondern auch Aussagen über diese Fakten abzubilden, was dem kunsthistorischen Umgang mit Informationen viel näher kommt. Denn aus kunsthistorischer Sicht genauso wichtig wie ein vermeintliches Faktum sind die Gründe, die zu seiner Festlegung - beispielsweise durch Zuschreibung oder Datierung - geführt haben. Durch dieses Konzept wird das Fach Kunstgeschichte vor neue Herausforderungen gestellt, es bietet aber auch die Möglichkeit, die Potentiale eines adäquaten kunsthistorischen Informationsmanagement in Zukunft voll auszuschöpfen.

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