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/Blog/Archiv 2006/Bullshit
Bullshit

Harry G. Frankfurt: Bullshit (Cover)Nachdem soviel in der Presse darüber geschrieben wurde, habe ich mir nun auch "Bullshit" von Harry G. Frankfurt besorgt. Der edel aufgelegte kleine Band ist bei Suhrkamp erschienen und mit einer Banderole versehen, die ein Zitat der Sunday Times trägt:

Eine Provokation: Dieses Buch wird Ihr Leben verändern.

Das läßt einiges erwarten, zumal das kleine Buch mit 8,- Euro für 80 Seiten recht teuer ist.

Der Text ist anscheinend schon 25 Jahre alt. Zitat aus einem Interview mit der Zeit:

[...] und dieser kleine Essay führte ein ruhiges Leben in den Bibliotheken. Bis mein Lektor sagte: Harry, machen wir doch ein Buch daraus. Ich dachte, das ist aber eine lächerliche Idee.

Anscheinend wurde mit dem Thema dennoch ein Nerv getroffen. In der Belletristik-TopTen des Spiegel belegt das Buch inzwischen den 5. Platz.

Die Lektüre hinterläßt einen eher zwiespältigen Eindruck. Der Großteil des Textes besteht in dem Versuch, den "Bullshit" von der Lüge und der Wahrheit abzugrenzen und ihn dadurch zu definieren. Dabei werden auch recht willkürlich erscheinende Vergleiche mit der lexikalischen Bedeutung des Wortes "bull" angeführt, die zur Thematik nicht viel beitragen. Überhaupt bleibt das Buch unentschieden. Es gelingt Frankfurter nicht, den Begriff richtig zu schärfen und einzugrenzen, seine einzigen Referenzen sind Artikel aus Nachschlagewerken und das Essay "The Prevalence of Humbug" von Max Black, auf das er sich direkt bezieht. Veranschaulichende Beispiele fehlen fast völlig. Am Ende hat man nicht viel mehr über den Begriff und die Art des "Bullshits" erfahren als man eh schon immer geahnt hat. Am Schluss gibt es dann wenigstens die einzige wirklich zitierbare Passage (S. 70):

Bullshit ist immer dann unvermeidbar, wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen. Die Produktion von Bullshit wird also dann angeregt, wenn ein Mensch in die Lage gerät oder gar verpflichtet ist, über ein Thema zu sprechen, das seinen Wissensstand hinsichtlich der für das Thema relevanten Tatsachen übersteigt.

Um es mit Yoda zu sagen: Recht er hat.

Mehr darüber gibt es hier: